Neue Technologien in Altbauten: Können Luft-Wasser-Wärmepumpen jedes Haus beheizen?
Mit Beginn der Heizsaison stellen sich viele Eigentümer von Einfamilienhäusern erneut die Frage, ob ihr bestehendes Heizsystem den Wintertemperaturen standhält oder ob es an der Zeit ist, den alten Heizkessel durch eine moderne Lösung zu ersetzen. Heizungsexperten weisen jedoch darauf hin: Die neuesten Heiztechnologien sind nicht für jedes Gebäude geeignet.
Zu den derzeit beliebtesten Lösungen zählen Luft-Wasser-Wärmepumpen. Sie entziehen der Außenluft Energie und übertragen die gewonnene Wärme an ein wassergeführtes Fußboden- oder Heizkörpersystem.
Laut Mindaugas Beniušis, Leiter der Abteilung Heizung und Klimatisierung bei Baltic Refrigeration Group, lassen sich Wärmepumpen problemlos in bestehende Fußboden- oder Heizkörpersysteme integrieren. Besitzer älterer Gebäude sollten jedoch zunächst prüfen, ob diese Investition – die bei etwa 3.000 Euro beginnt – für ihr Haus tatsächlich sinnvoll ist.
Wärmeverluste durch Wärmebrücken und Undichtigkeiten
„Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten besonders effizient in Häusern der Energieklassen A, A+ oder A++. Eine korrekt dimensionierte Wärmepumpe arbeitet 90–95 Prozent der Zeit effizient und sorgt für eine angenehme Raumtemperatur. Nicht ohne Grund ist diese Heizlösung in Skandinavien sehr verbreitet, wo die Winter deutlich kälter sind als in Litauen“, erklärt M. Beniušis.
Die größten Betriebskosten entstehen durch den Stromverbrauch. Sinkt die Außentemperatur deutlich unter 0 °C, kann der Kompressor der Wärmepumpe nicht mehr ausreichend Wärme bereitstellen. In diesem Fall unterstützen elektrische Heizstäbe die Wärmeerzeugung.
„In energieeffizienten Gebäuden werden die elektrischen Heizstäbe während der Heizperiode nur selten benötigt, sodass der Stromverbrauch kaum steigt. In Altbauten hingegen treten häufig erhebliche Wärmeverluste auf – durch undichte Fenster, schlecht gedämmte Wände, ungedämmte Dächer oder Fundamente. Wird ein solches Gebäude mit einer Wärmepumpe beheizt, steigen die Kosten deutlich, da der elektrische Heizstab ständig mitarbeiten muss, um die gewünschte Temperatur zu erreichen“, so M. Beniušis.
Selbst bei einer Sanierung älterer Gebäude wird nicht immer das gewünschte Ergebnis erzielt. Auch nach dem Austausch von Fenstern oder der Dämmung der Fassade bleiben häufig konstruktionsbedingte Wärmebrücken bestehen.
„Bei der Bewertung eines Altbaus müssen viele Faktoren berücksichtigt werden: Ist das Dach dicht? Ist der Keller ausreichend gedämmt? Wird möglicherweise die Kellerdecke statt des Wohnraums beheizt? In solchen Fällen kann selbst ein modernes Heizsystem keine durchgehend komfortable Temperatur gewährleisten. Manchmal lassen sich bauphysikalische Mängel technisch nicht vollständig beheben. Wird jedoch die energetische Qualität des Hauses verbessert, kann eine Wärmepumpe eine sehr gute Lösung sein“, betont er.
In modernen, luftdichten Gebäuden mit Lüftungsanlage und Wärmerückgewinnung liegen die Wärmeverluste bei etwa 20 Prozent – abhängig vom Wirkungsgrad der Anlage. In Gebäuden niedrigerer Energieklassen sind sie deutlich höher. Die tatsächlichen Wärmeverluste sollten stets individuell berechnet werden – weder Baujahr noch verwendete Baumaterialien geben allein darüber zuverlässig Auskunft.
Heizkörperleistung oft unzureichend
Eine weitere Herausforderung in Altbauten sind bestehende Heizkörper. In älteren Heizsystemen wird das Wasser häufig auf 70–80 °C erhitzt. Wärmepumpen hingegen liefern in der Regel Vorlauftemperaturen von etwa 45–50 °C. Dadurch sinkt die Heizleistung der vorhandenen Heizkörper deutlich.
„Es ist nicht zwingend erforderlich, alle Heizkörper auszutauschen, jedoch kann es notwendig sein, zusätzliche Heizkörper zu installieren oder ihre Fläche zu vergrößern, um die erforderliche Heizleistung zu erreichen. Zudem muss das bisherige Heizverhalten berücksichtigt werden. Wurde zuvor mit einem Festbrennstoffkessel dauerhaft auf hoher Leistung geheizt, kann das Raumklima mit einer Wärmepumpe zunächst als kühler empfunden werden“, erklärt M. Beniušis.
Auch die elektrische Anschlussleistung kann in Altbauten ein Problem darstellen. Vor der Installation einer Wärmepumpe sollte geprüft werden, ob die vorhandene Stromversorgung ausreichend dimensioniert ist. Dieses Problem betrifft jedoch nicht nur ältere, sondern teilweise auch neuere Gebäude.
Förderprogramme erleichtern den Umstieg
Als Alternative empfiehlt der Vertreter von Baltic Refrigeration Group, Wärmepumpen in bestehende Heizsysteme zu integrieren, anstatt den bisherigen Wärmeerzeuger vollständig zu ersetzen. In einem kombinierten System kann die Wärmepumpe im Sommer, Herbst, Frühling und während eines großen Teils des Winters zuverlässig heizen und Warmwasser bereiten. Nur an besonders kalten Tagen würde zusätzlich der vorhandene Festbrennstoffkessel eingesetzt. Dieses hybride System erhöht den Wohnkomfort deutlich, da der Kessel nicht mehr ganzjährig betrieben werden muss.
„Wärmepumpen, beispielsweise von Nordis, lassen sich problemlos in bestehende Heizsysteme integrieren. Zudem sind sie umweltfreundlich und verursachen keine direkten Emissionen. Wird zusätzlich Ökostrom genutzt, ist diese Heizlösung nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig. Angesichts einer Heizperiode von fünf bis sechs Monaten pro Jahr ermöglichen moderne Heiztechnologien sowohl Kosteneinsparungen als auch einen umweltbewussteren Lebensstil“, unterstreicht M. Beniušis.











